Zum Inhalt springen
KüstenheideCuxhaven

Wald an der Küste

Wernerwald bei Sahlenburg: Schutzwald von 315 Hektar und das Finkenmoor

Der Wernerwald ist rund 315 Hektar groß und liegt zwischen Sahlenburg, Holte-Spangen und Arensch. Er ist keine gewachsene Naturlandschaft, sondern eine Pflanzung mit einem sehr konkreten Zweck: Schutz gegen Sturmfluten.

Kupferstich-Ansicht eines Küstenkiefernwaldes: windgeformte Stämme, lichter Bestand, Bodendecke aus Heidekraut und Moos, dahinter offene Heide
Tafel — AnsichtKüstennaher KiefernbestandWernerwald zwischen Sahlenburg und Arensch

Angelegt wurde der Wald unter dem Ritzebütteler Amtmann Dr. Charles Anthony Werner, dessen Amtszeit von 1868 bis 1891 reichte. Amtlich hieß die Anlage zunächst „Sahlenburger Revier“; durchgesetzt hat sich der Name, den ihr die Bevölkerung gab.

Aufgeforstet wurde auf Heideboden, also auf genau dem armen Sand, auf dem sich nebenan die Cuxhavener Küstenheide gehalten hat. Der Wernerwald zeigt damit, was aus diesen Flächen wird, wenn man sie bepflanzt.

Größe
Rund 315 Hektar
Lage
Zwischen Sahlenburg, Holte-Spangen und Arensch
Angelegt
Unter Amtmann Dr. Charles Anthony Werner, Amtszeit 1868–1891
Zweck
Schutzpflanzung gegen Sturmfluten auf Heideboden
Ursprünglicher Name
„Sahlenburger Revier“
Angrenzend
Das Finkenmoor

Ein Wald mit Aufgabe

Küstenaufforstungen des 19. Jahrhunderts entstanden fast immer aus demselben Grund: Ein geschlossener Bestand bremst den Wind, hält Flugsand fest und mindert die Wirkung von Sturmfluten auf das Hinterland. Der Wernerwald ist ein Beispiel dieser Praxis, und er erfüllt die Funktion bis heute.

Für Besucher ist er vor allem eines: der einzige windgeschützte Ort der Umgebung. Bei auflandigem Sturm ist der Unterschied zwischen offener Heide und Waldinnerem drastisch.

Das Finkenmoor

An den Wernerwald grenzt das Finkenmoor. Moore auf Geestböden entstehen dort, wo Wasser in einer Senke nicht abfließen kann. Der Untergrund ist zwar sandig, aber unter der Sandschicht liegen wasserstauende Lagen.

Damit sind auf wenigen Kilometern drei Lebensräume beieinander: offene Zwergstrauchheide, geschlossener Kiefernwald und Moor. Diese Dichte ist der eigentliche Grund, warum die Gegend naturkundlich interessant ist.

Auf den Wegen bleiben: Moorflächen sind nässeempfindlich und trittempfindlich zugleich. Abseits der Wege richtet man dort mehr Schaden an als in der Heide.

Was in einem Küstenkiefernwald wächst

Aufforstungen auf armem Sand arbeiten mit Baumarten, die damit zurechtkommen, vor allem mit Kiefern. Sie kommen mit wenig Nährstoff aus, ertragen Trockenheit und halten Wind stand, wenn sie im Bestand stehen.

Unter dem Schirm entsteht mit der Zeit eine eigene Bodenvegetation: Heidekraut, Moose, Beerensträucher. Der Wernerwald ist deshalb kein steriler Forst, sondern trägt in weiten Teilen dieselben Arten wie die Heide nebenan, nur im Halbschatten.

An den Rändern verzahnen sich beide Systeme. Dort stehen Krattwälder: niedrige, mehrstämmige Eichen, wie sie unter Wind und historischer Beweidung entstehen. Sie sind der eigentliche Übergang zwischen offener Heide und geschlossenem Wald.

Hauptbaumart
Kiefer — genügsam, trockenheitsverträglich, windfest im Bestand
Bodenvegetation
Heidekraut, Moose, Beerensträucher im Halbschatten
Randzone
Krattwälder aus niedrigen, mehrstämmigen Eichen
Funktion
Windbrechung und Bindung von Flugsand

Einer von drei Wäldern an der deutschen Nordseeküste

Wald unmittelbar an der Nordseeküste ist in Deutschland eine Ausnahme: Neben dem Wernerwald gibt es ihn nur noch bei Dangast und bei Sankt Peter-Ording. Alles andere, was an dieser Küste nach Wald aussieht, liegt weiter im Binnenland oder ist ein schmaler Windschutzstreifen.

Der Grund ist der Standort selbst. Salzsprühnebel, ständiger Wind und ein Sandboden, der Wasser kaum hält, sind für die meisten Baumarten keine Lebensgrundlage. Dass hier überhaupt ein geschlossener Bestand steht, ist eine Entscheidung des 19. Jahrhunderts und kein Naturzustand.

Angelegt wurde er gegen Ende des 19. Jahrhunderts unter dem Ritzebütteler Amtsverwalter Charles Anthony Werner, der von 1868 bis 1891 im Amt war, als Schutz gegen Sturmfluten, auf einer Fläche, die bis dahin offene Heide war. Ein Wald war hier also zuerst ein Bauwerk und erst danach eine Landschaft.

Seit dem 5. Januar 1939 steht der Wald unter Landschaftsschutz. Er ist damit seit über achtzig Jahren als das geschützt, was er ist: ein gepflanzter Bestand mit einer Funktion, der inzwischen selbst schützenswert geworden ist.

Größe
Rund 315 Hektar
Lage
Zwischen Sahlenburg, Holte-Spangen und Arensch
Angelegt
Ende des 19. Jahrhunderts, gegen Sturmfluten
Geschützt
Landschaftsschutz seit dem 5. Januar 1939
Bestand
Überwiegend Kiefer auf sandigem Untergrund

Warum es Kiefern sind

Auf dem sandigen Boden wächst hauptsächlich Kiefer, und das ist keine ästhetische Entscheidung gewesen. Die Kiefer kommt mit magerem, trockenem Sand zurecht, verträgt Wind und braucht keinen nährstoffreichen Untergrund. Eine Buche an derselben Stelle hätte den ersten trockenen Sommer nicht überstanden.

Das erklärt auch, wie der Wald von innen wirkt. Kiefernbestände sind licht, der Boden ist nadelbedeckt und federnd, und der Blick reicht weit zwischen den Stämmen hindurch, anders als in einem Laubwald, der auf Augenhöhe dicht ist. Wer aus der offenen Heide kommt, empfindet den Übergang trotzdem als abrupt, weil der Wind sofort aufhört.

Zum Rand hin ändert sich das Bild noch einmal. Wo der Wind wieder durchgreift, bleiben die Bäume klein und setzen mehrere Stämme aus einem Stock: der Krattwald, der auf dieser Seite weiter unten beschrieben ist. Er markiert die Stelle, an der der geschlossene Bestand aufhört, ein Bestand zu sein.

Das Finkenmoor und der Teich

Im Wald liegt das Finkenmoor, und mit ihm ein Teich, der nicht von einem Zufluss, sondern aus unterirdischen Quellen gespeist wird. Für ein Gelände aus Dünensand ist das der interessante Punkt: Das Wasser kommt von unten, nicht von der Seite.

Moor und Wald sind deshalb keine getrennten Dinge, sondern zwei Zustände desselben Untergrunds. Wo der Sand mächtig ist und schnell entwässert, steht Kiefer. Wo eine undurchlässige Schicht das Wasser hält, bleibt es nass, und die Vegetation wechselt auf wenigen Metern vollständig.

Praktisch bedeutet das für einen Spaziergang, dass sich innerhalb des Waldes mehrere sehr verschiedene Abschnitte aneinanderreihen: trockener Kiefernbestand, feuchte Senken, offene Moorflächen. Wer nur den Hauptweg geht, sieht davon den kleineren Teil.

Wege statt Abkürzungen: Der Wald ist von Wander- und Reitwegen durchzogen und wird stark als Naherholungsgebiet genutzt. Die feuchten Abschnitte sind trittempfindlich und erholen sich langsam; ein Umweg auf dem Weg kostet Minuten, eine Abkürzung durch die Senke hinterlässt sie über Jahre.

Weiter in der Umgebung

Die Küstenheide
Das größte zusammenhängende Heidegebiet der deutschen Nordseeküste
Wandern in Cuxhaven
Zu Fuß
Hundestrand Cuxhaven
Urlaub mit Hund
Gesundes Wattenmeer
Thalasso
Die Kurorte bei Cuxhaven
Bädergeschichte
Berensch-Arensch
Ortsteil auf der Geest

Häufige Fragen zum Wernerwald

Wie groß ist der Wernerwald?

Rund 315 Hektar. Er liegt auf dem Gebiet der Stadt Cuxhaven zwischen Sahlenburg, Holte-Spangen und Arensch.

Warum heißt er Wernerwald?

Nach dem Ritzebütteler Amtmann Dr. Charles Anthony Werner, der ihn während seiner Amtszeit von 1868 bis 1891 anlegen ließ. Amtlich hieß die Anlage zunächst „Sahlenburger Revier“.

Wozu wurde der Wald angelegt?

Als Schutzpflanzung gegen Sturmfluten. Ein geschlossener Bestand bremst den Wind und hält Flugsand fest.

Was ist das Finkenmoor?

Ein an den Wernerwald angrenzendes Moor. Es entsteht dort, wo unter der Sandschicht wasserstauende Lagen liegen und Wasser nicht abfließen kann.

Ist der Wernerwald bei Sturm sicher?

Bei Sturmwarnung gilt für jeden Wald dasselbe: nicht hineingehen. Der Windschutz, den der Bestand sonst bietet, gilt für normale Wetterlagen.

Warum wurden Kiefern gepflanzt?

Weil sie mit wenig Nährstoff auskommen, Trockenheit ertragen und im Bestand windfest sind: genau das, was armer Küstensand verlangt.

Was ist ein Krattwald?

Ein Eichenwald, der nie in die Höhe gekommen ist: Wind und Verbiss haben ihn niedrig und vielstämmig gehalten. Ausgewachsen sieht er aus wie Gebüsch und ist trotzdem alt.